Allianz Arena, 2001-2006

Dr. Ellen Maurer-Zilioli

Ein kalkuliertes Spiel mit Raum und Zeit

Wenn es um die Repräsentation von Architektur in der Fotografie geht, ist es wohl eher selten der Fall, dass sich der Lichtbildner in völliger Freiheit und Ungezwungenheit seinem Thema widmen kann. Überdies, wenn es sich um eine Ikone zeitgenössischer Baukunst und einen geradezu auratischen Ort für große Teile der Bevölkerung handelt, auch für den Laien und Fußballskeptiker: die Allianz-Arena. Hubertus Hamm genoss dieses Glück und erforschte seinen Gegenstand mit Ausdauer, Leidenschaft, Akribie und künstlerischer Finesse – über Jahre, genauer: von 2001-2006. Das Ergebnis hat viele Gesichter – Aufnahmen, die uns beteiligen an jenem faszinierenden Prozess der Annäherung, des Durchdringens und des fotografischen Begreifens einer Atem beraubenden Konstruktion. Dass sich Hamm von deren gestalterischen Idee, von deren Schwung und Frische inspirieren und leiten ließ, sieht man den Ergebnissen an. Sie reißen den Betrachtenden mit, tragen ihn hinein, um den Bau herum, und vor allem im Höhenflug über diesen hinaus, als wolle uns der Autor berauschen und uns gleichzeitig eine adäquate Vorstellung von den Dimensionen und Qualitäten seines Motivs vermitteln. Kein Wunder, wird doch im allgemeinen den neuen Stadien die Wirkung „wahrer Gefühlsmaschinen“ attestiert. Aber wir wollen den soziologischen Aspekt vernachlässigen.