Portraits – Fingerprints, 1990

Michael Köhler

Wieder beschränkt Hamm seine Rolle auf die eines neutralen Kameraoperateurs, der nur sicherstellt, dass die Automatik des fotografischen Prozesses fehlerlos abläuft. Ebenso reduziert ist diesmal aber auch die Rolle des Portraitierten. Hamm verlangt von ihm, bloß Spuren zu hinterlassen. Dies allerdings zweimal. Erst durch einen Fingerabdruck, anschließend durch Ablichtung seines Gesichtes. Und zwar auf das selbe Negativ, das – bei einer ersten Belichtung – schon den Daumenabdruck gespeichert hat, sodass im fertigen Bild beide – Daumen- und Gesichtsabdruck – präsent sind und zu einem komplexen Psychogramm der portraitierten Person sich verbinden können.

Was Hamm damit gelingt, ist verblüffend. Eleganter, das heißt einfacher, in der Wahl der Mittel reduzierter und dennoch schlagend lässt sich Individualität im Fotoportrait wohl kaum herstellen. Nichts ist suggeriert, alles einsichtig nachprüfbar. Dafür bürgt einmal die sprichwörtliche Wirklichkeitstreue der Fotografie, die hier keinerlei Beeinträchtigung erfährt. Zum anderen der Fingerabdruck, das individuellste, weil unveränderlichste äußere Merkmal, das ein Mensch besitzt.